Logo Cantus Novus Frauenkammerchor Ulm
Leitung: Helmut Steger
 

Pressestimmen

Konzert "O mistress mine" im Haus der Begegnung, Mai 2002

Kritik Südwestpresse vom 27. Mai 2002

Programm (128 KB)

Mit einem Zyklus von Shakespeare-Vertonungen und Liedern der Romantik brachte der Kammerchor Cantus Novus besinnliche, aber auch humoristische Momente ins Haus der Begegnung. Helmut Steger und sein Ensemble präsentierten sich in blendender Musizierlaune.

Cantus Novus, der erst kürzlich preisgekrönte Kammerchor, der aus ehemaligen Mitgliedern der "Ulmer Spatzen" besteht, veranstaltete das Konzert anlässlich der diesjährigen Bundes-Mitgliederversammlung des "Arbeitskreises Musik in der Jugend". Im Haus der Begegnung blieb kein Stuhl leer, als der Frauenchor zu Anfang mit Werken der englischen Madrigalisten aufwartete. Shakespeare-Texte waren die Basis für Kompositionen von Robert Johnson, John Wilbye und Thomas Morley, die in ihrer kraftvollen Melodik und satten Klangfülle mit zwei Chorliedern der spätromantischen Komponisten Edward German und Frank Bridge korrespondierten.

Der Kammerchor Cantus Novus, der erst vor 14 Tagen beim Deutschen Chorwettbewerb in Osnabrück einen zweiten Preis und einen Sonderpreis für die beste Interpretation eines deutschen Volksliedes errang, musste in Ulm sozusagen "ersatzgeschwächt" auftreten, befand sich aber trotzdem in bester Verfassung. Helmut Steger und sein Chor haben einen spezifischen Klang entwickelt, der von rhythmischer Präzision und dynamischer Vielfältigkeit geprägt ist und in seiner schwebenden Transparenz unverwechselbar ist. Zwischen Pianissimo und Forte verfügt der Frauenchor über eine erstaunliche Variationsbreite. Das abwechslungsreiche Programm, das immer wieder von Shakespeare- und Rilke-Rezitationen durch Rolf Pasdzierny bereichert wurde, enthielt im weiteren Verlauf sechs Mädchenlieder des Romantikers Heinrich von Herzogenberg, einem Zeitgenossen von Johannes Brahms. Der heute weitgehend unbekannte Komponist schrieb neben zwei Sinfonien viel Kammermusik und auch einige chorsinfonische Werke wie Messen und Passionen. Seine Mädchenlieder nach Texten von Paul Heyse klingen feinsinnig-poetisch, lassen auch humoristische Momente erkennen und sind in Gänze von "brahmsischem" Wohllaut. Die Interpretation durch den Kammerchor und durch Alwina Meissner am Klavier ließ keinen Wunsch offen. Nach einem temperamentvollen wie virtuosen Marimbaphon-Solo von Keiko Abe mit dem Titel "Frogs", gespielt von Marcel Braun, erklang dann als zentrales Werk des Abends der achtteilige Zyklus "A Shakespeare Sequence", op. 66, von John Gardner.

Jazzelemente inklusive

In diesem Werk des 1917 geborenen Komponisten wird der Chor von vierhändigem Klavierspiel sowie von Schlagwerk begleitet (Klavier: Alwina Meissner und Igor Beketov, Percussion: Marcel Braun und Sebastian Miller). John Gardner verwendet vielfältige stilistische Mittel wie etwa altenglische Lautenmusik, Walzerklänge und Jazzelemente, um seinen stark rhythmisch geprägten und von raffinierten Tonmischungen begleiteten Gedicht-Vertonungen klangliche Eigenart und Präsenz zu verleihen.

Die schwungvoll inszenierte Wiedergabe durch die mitwirkenden Musiker und den sichtlich spielfreudigen Chor und seiner Solistin Ulrike Rosenhaym fand beim Publikum eine begeisterte Aufnahme. Mit einem schön gesungenen Volkslied und weiteren Zugaben endete ein Chorkonzert, an das man sich gern erinnert.

Olaf Gööck