Pressestimmen
Konzert: "Frauenstimmen" im Haus der Begegnung, Mai 2001
Programm (266 KB)
Abmut und Schönklang
Kritik Südwestpresse vom 15. Mai 2001
Mit Klangdelikatessen von Schumann, Holst, Gardener und anderen für Frauenstimmen betörte der Kammerchor Cantus Novus unter Leitung von Helmut Steger im vollen Haus der Begegnung.
Wie von Ferne zieht ein betörendes Flötensolo seine Bahn, um dann zu klagen - träumerischen Charakter hat Friedrich Leufgens "Grastänzer", mit dem Nicole Morbach beim Benefizkonzert zugunsten des Hauses der Begegnung einstimmte. Gut inszeniert setzte sich die ausgezeichnete Flötistin mit acht Stücken - aus dem Barock, von Debussy ("Syrinx") bis zum zeitgenössischen "Rattenfänger" Gordon Jacobs - Zäsuren. Inseln der Besinnung zwischen den anmutigen Gesängen der 22 jungen Frauen von Cantus Novus.
Um Liebe, Natur, Mythen kreisten die Texte der Frauengesänge. Elf Chorstücke Robert Schumanns befreite Dirigent Helmut Steger aus dem Schattendasein des Repertoires. In A-cappella-Vierstimmigkeit, oder von Marina Helfenstein sensibel und tonschön am Flügel begleitet, zierten sie den Abend. In "Tamburinschlägerin", "Klosterfräulein" (aus op. 69) oder "In Meeres Mitten" (op. 91) öffnete sich Schumanns poetische Welt, Ausdruck eines romantisch-bittersüß,en Lebensgefühls. Bewundernswert dann auch, wie differenziert Steger in der tonmalerischen Ode des Spätromantikers Gustav Holst an die Naturgottheiten ("Choral Hymns from the Rig Veda 3", op. 26) den Chor zu facettenreicher, textklarer Interpretation führte. Was besonders einnahm: Alles wirkte ungekünstelt, ja das macht das erstklassige Niveau dieses preisgekrönten Kammerchors aus, den Helmut Steger, der heute in Halle wirkende Dirigent, mit ehemaligen "Ulmer Spatzen" 1995 gründete. Das Markenzeichen des Chors ist organisch-schlanker Schönklang: vibratoarm und schwebend, präsent in allen Stimmlagen.
Sicher zeigte sich Cantus Novus im Umgang mit zeitgenössischen Werken, so bei "Au bout de l'amour" des Belgiers Vic Nees, das fast eine Geläufigkeitsübung ist angesichts der Koplexität von Jon Gardners "A Shakepeare Sequence". Und wenn auch das Team - Marina Helfenstein und Igor Beketov (Klavier), die Percussionisten Marcel Braun und Sebastian Miller und der hier nicht immer ganz intonationsreine Chor - mal wackelte, es gab vieles in Gardners chramantem Flirt mit den Stilen zwischen Renaissance, Jazz und Moderne zu entdecken. Dabei sorgte Ulrike Rosenhayn-Schaible, Sopran aus eigenen Reihen, für solistische Glanzlichter. Nach viel Stimmungszauber endloser Beifall und als Zugabe "Irish Blessing" von Bob Chilcott, einem Ex-Sänger der King′s Singers.
Christa Kanand
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